Das Riggtrimm — die Einstellung von Wanten, Vorstag und Mastbiegung — wird traditionell nach Augenmaß und Erfahrung vorgenommen: Man betrachtet die Form des Großsegels, prüft von Hand die Spannung einer Want, vergleicht die beiden Bugseiten nach Gefühl. Druckdaten bringen in diesen Prozess ein Stück Objektivität: Ein unausgeglichenes Rigg hinterlässt in der Heatmap deutlich sichtbare Spuren, lange bevor es am Ruder oder in den Ergebnissen auffällt.
Warum sich Riggtrimm-Fehler in den Daten zeigen, bevor man sie spürt
Ein Trimmfehler ändert sich von Wende zu Wende, von Böe zu Böe: Das ist normal, man erwartet, ihn laufend korrigieren zu müssen. Ein Riggtrimm-Fehler verhält sich anders: Er erzeugt eine Asymmetrie, die sich systematisch auf einer bestimmten Bugseite wiederholt, unabhängig davon, wie gut die Segel in diesem Moment getrimmt sind. Genau diese Wiederholbarkeit — nach Stunden auf dem Wasser schwer zu erspüren — macht die Heatmap sofort sichtbar, wenn man Backbord- und Steuerbordbug vergleicht.
Asymmetrie zwischen den Bugseiten: das erste Signal, das zu prüfen ist
Der einfachste Test ist zugleich der wirksamste: bei ähnlichem Wind und Winkel erst auf einer Bugseite, dann auf der anderen am Wind segeln und die beiden Heatmaps nebeneinander vergleichen. Erscheint der Druckpeak an derselben Position und mit derselben Intensität auf beiden Seiten, ist das Rigg wahrscheinlich gut zentriert. Zeigt dagegen eine Bugseite systematisch einen schwächeren, weiter achtern liegenden oder weniger klar definierten Peak, verschiebt sich der Verdacht vom Segeltrimm zur Wantenspannung: Sehr oft bedeutet das, dass der Mast seitlich nicht perfekt zentriert ist oder die Wanten auf beiden Seiten nicht gleich gespannt sind.
Wanten, Vorstag und die Form des Großsegels
Die seitlichen Wanten kontrollieren vor allem die seitliche Geradheit des Mastes: eine ungleiche Spannung zwischen Backbord und Steuerbord ist die häufigste Ursache der oben beschriebenen Asymmetrie. Vorstag und, sofern vorhanden, Achterstag wirken dagegen auf die Längsbiegung des Mastes und damit auf die Tiefe des Großsegels: mehr Biegung bedeutet ein flacheres, entlasteteres Großsegel, weniger Biegung ein tieferes, kraftvolleres. Eines dieser Elemente zu verstellen, ohne die Wirkung auf das andere Segel zu beobachten, ist einer der häufigsten Fehler: eine stärker angeholte Genua ohne entsprechende Anpassung des Großsegels kann den optimalen Arbeitspunkt beider Segel verschieben.
Eine Methode in 3 Schritten für das Riggtrimm mit Daten
Ein geordnetes Vorgehen verhindert, dass man zufälligen Anpassungen hinterherläuft:
- Referenzmessung auf beiden Bugseiten. Bei stabilem Wind zunächst auf einer, dann auf der anderen Bugseite hart am Wind einen Referenzwert aufnehmen und dabei Winkel und Windstärke möglichst gleich halten.
- Nur eine Änderung auf einmal. Ein einzelnes Riggelement anpassen — zum Beispiel die Spannung der oberen Wanten — und denselben Vergleich zwischen den Bugseiten wiederholen, um die Wirkung dieser einen Änderung zu isolieren.
- Über mehrere Böen prüfen, nicht nur einen Messwert. Eine Verbesserung, die in einem einzigen Moment sichtbar wird, kann Zufall sein: Erst wenn sich die wiederhergestellte Symmetrie über mehrere Böen und mehrere Minuten Segelzeit bestätigt, lässt sich die Einstellung als stabil betrachten.
Wenn das Problem nicht der Trimm, sondern der Mast ist
Eine praktische Methode, die beiden Ursachen zu unterscheiden, ist die Beständigkeit des Problems zu beobachten: Eine Asymmetrie, die nur gelegentlich auftritt, vielleicht durch eine ungenaue Wende oder ein unpräzises Manöver, ist fast immer Trimm. Eine Asymmetrie, die Bug für Bug, Ausfahrt für Ausfahrt, auch mit unterschiedlicher Crew an der Schot identisch wiederkehrt, deutet dagegen auf die Wantenspannung oder die Mastzentrierung hin — dann lohnt es sich, am Steg für eine gründlichere Kontrolle anzuhalten, statt ihr weiter auf See hinterherzujagen.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte das Riggtrimm anhand von Daten überprüft werden?
Eine Kontrolle zu Saisonbeginn, nach einem Mast- oder Riggwechsel sowie immer dann, wenn eine anhaltende Asymmetrie zwischen den Bugseiten auffällt, reicht für die meisten Fahrtenboote in der Regel aus.
Müssen für diese Prüfung die Segel abgeschlagen werden?
Nein, der Vergleich erfolgt beim normalen Segeln am Wind auf beiden Bugseiten mit bereits gesetzten Segeln: Genau darin liegt der Hauptvorteil dieser Methode — sie funktioniert unter echten Bedingungen, ohne zusätzliche Ausrüstung am Steg.
Kann eine Asymmetrie zwischen den Bugseiten auch vom Rumpf statt vom Rigg kommen?
Das ist möglich, aber seltener: Bleibt die Asymmetrie nach der Kontrolle der Wanten identisch bestehen, lohnt es sich, auch die Rumpflage oder die Gewichtsverteilung an Bord als zusätzliche Variablen in Betracht zu ziehen.
Ist ein leicht asymmetrisches Rigg immer ein ernstes Problem?
Nicht unbedingt: Kleine Asymmetrien kommen auch bei gut getrimmten Booten vor. Relevant wird es, wenn der Unterschied zwischen den Bugseiten deutlich und stabil ist, denn dann geht auf einer bestimmten Bugseite systematisch Leistung verloren.
Für eine allgemeinere Grundlage zum Lesen der Heatmap, bevor man sie auf das Riggtrimm anwendet, kann es hilfreich sein, bei unserem Artikel Wie man eine Segeldruckkurve liest zu beginnen. Technische Details zu den Sensoren und zur passenden Konfiguration für Ihr Boot finden Sie auf der SailSensor-Produktseite.
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